Generalvikar Pfeffer diskutiert über Akzeptanz für sexuelle Vielfalt

Als Gast einer Podiumsdiskussion bei Thyssenkrupp sprach Pfeffer am Donnerstag mit Wirtschaftsvertretern und dem schweizer Management-Berater Fredmund Malik über die Frage, wie die Akzeptanz für nicht-heterosexuelle Menschen gefördert werden könne.

Debatte auf Einladung von Thyssenkrupp und dem Berufsverband „Völklinger Kreis“ für schwule Führungskräfte

Pfeffer erhofft sich deutliche Veränderungen in der Kirche, spricht aber auch über die Spannungen zwischen der christlichen Schöpfungslehre und der Sicht auf jeden einzelnen Menschen

"Vielfältig" ist Teil des Zukunftsbildes des Bistums Essen

Wenn es um die Akzeptanz von Menschen unterschiedlichster sexueller Orientierung geht, erhofft sich der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer in der katholischen Kirche deutliche Veränderungen. „Wenn sich die Kirche in wesentlichen gesellschaftlichen Fragen nicht weiter entwickelt, wird sie ein riesiges Problem bekommen“, sagte Pfeffer am Donnerstag bei einer Veranstaltung in der Essener Thyssenkrupp-Zentrale. Zugleich beschrieb er die Spannungen zwischen der christlichen Schöpfungslehre von Mann und Frau und der ebenso christlichen Sicht auf jeden einzelnen Menschen und dessen individuellen Bedürfnisse.

Auf Einladung von Thyssenkrupp und dem Berufsverband „Völklinger Kreis“ für schwule Führungskräfte diskutierten Wirtschaftsvertreter mit Pfeffer und dem schweizer Management-Berater Fredmund Malik, wie die Toleranz und Akzeptanz für schwule, lesbische, bi-, trans- oder intersexuelle Menschen am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft verbessert werden können. Angesichts dieser Zielgruppe begann die Herausforderung für Moderatorin Asli Sevindim („Aktuelle Stunde“) schon bei der Begrüßung: Das übliche „sehr geehrte Damen und Herren“ erschien ihr und allen anderen Rednern vor diesem sehr vielfältigen Auditorium dann doch so unpassend, dass fortan von den „lieben Gästen“ die Rede war.

Pfeffer: „Niemand verschließt die Augen vor der Wirklichkeit“

Pfeffer betonte, dass im Ruhrbistum „niemand die Augen vor der Wirklichkeit“ verschließe: „Natürlich arbeiten auch bei uns homosexuelle Menschen.“ Der Generalvikar machte jedoch auch die großen Spannungen deutlich, die er in der Kirche wahrnimmt und die schnelle und durchgreifende Veränderungen verhinderten: Zwischen Katholiken, die gerade in moralischer Sicht manches weiter entwickeln möchten – und anderen, die dies für die Kirche gefährlich finden. Schon 2013 habe das Bistum Essen den Begriff „vielfältig“ in seinemZukunftsbild verankert, so Pfeffer. Und wenn es in diesem Text heiße „Im Bistum Essen haben wir Lust auf die Vielfalt der Leute zwischen Lenne und Ruhr“, dann gelte dies für die gleiche Vielfalt, die sich Konzerne wie Thyssenkrupp als „Diversity“ auf die Fahne schrieben: Also neben der Vielfalt von Jung und Alt oder Menschen verschiedenster Herkünfte auch die Akzeptanz, dass es hinsichtlich der Vielfalt sexueller Orientierungen mehr gibt als heterosexuelle Männer und Frauen.

Geschäftliches Thema – und Frage gesellschaftlicher Verantwortung

Die Wirtschaftsvertreter auf dem Podium betonten, dass die Förderung von Vielfalt in der Belegschaft sowohl ein geschäftliches Thema als auch eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung sei. Stefan Schmitt, als „Head of Human Resources Strategy“ Leiter der Personalstrategie von Thyssenkrupp hob hervor: „Wir können es uns gar nicht leisten, nicht ,divers‘ zu sein.“ Zu groß sei die Gruppe der Menschen, die dieses Thema betrifft, als dass der Essener Industriekonzern auf sie als mögliche Mitarbeiter verzichten könne. So hat beispielsweise die transsexuelle Personalmanagerin Sarah Ungar bei Thyssenkrupp nicht nur die nötigen Freiräume erhalten, die sie für ihre Umwandlung von „Herrn“ zu „Frau“ Ungar brauchte – sie durfte auch ein eigenes Netzwerk gründen, in dem sich nicht-heterosexuelle Menschen bei Thyssenkrupp vernetzen und Veranstaltungen wie die Diskussion am Donnerstag organisieren.

Malik: „Das können sie nicht verordnen, nur zulassen“

Schmitt skizzierte den „Idealzustand“, dass es doch eigentlich egal sein müsse, ob ein Kollege montags an der Kaffeemaschine im Büro vom Wochenendausflug mit Frau und Kindern oder mit seinem Mann berichtet. Dass dieser Zustand aber auch in vielen Unternehmen noch weit von der Realität entfernt ist, berichteten der Matthias Weber vom „Völklinger Kreis“ und Harald Kern aus dem Siemens-Europabetriebsrat. Beide verwiesen auf Untersuchungen, nachdem zwar vielerorts eine Kultur der Vielfalt wachse, zugleich aber zum Beispiel viele homosexuelle Beschäftigte nach wie vor nicht bereit wären, sich entsprechend zu „outen“.

Management-Berater Malik betonte, dass der Weg hin zu mehr Vielfalt für die Gesellschaft und gerade für Unternehmen alles andere als einfach werde. „Das können sie nicht verordnen, nur zulassen“, sagte der Wirtschafts-Professor aus St. Gallen.

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